Glauben Sie an die Auferstehung?

Aus der Predigt in der Ostervigil 2014

von Erzabt Wolfgang Öxler, St. Ottilien

Liebe Schwestern und Brüder, … glauben Sie an die Auferstehung?
Oder haben Sie ähnliche Zweifel, wie das in der folgenden Geschichte geäußert wird?

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.
„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling.
„Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling.
„Ich glaube, das ist Blödsinn!“ sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?“
„So genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?“
„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du da herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“
„Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“
„Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von ‘nach der Geburt’. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum.“
„Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen.“
„Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“
„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“
„Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.“
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt….“
Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen, sie schrien, und was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.

Der Tod ist für den Gläubigen wie eine zweite Geburt. Wenn ein Kind geboren wird, muss es seinen gewohnten, dunklen Lebensraum verlassen. Durch Schmerz und Schrei hindurch wird es von seiner bisherigen Existenz getrennt, um in eine neue Welt hineingeboren zu werden. Ich glaube, ebenso wird es sein, wenn Gottes Ewigkeit einbricht in unsere Zeit. wenn wir aus dem irdischen Leben in das „Ewige Leben“ emporgehoben werden. Auferstehung. Und wir dürfen uns freuen, dass am Ende unseres Lebens nicht der Tod steht, sondern das Leben, das Gott uns verheißen hat. Und diese Gewissheit soll uns schon jetzt leben lassen. Aufleben lassen in Freude. Wir wünschen uns allen einen Osterglauben, der die Schalen der Skepsis sprengt, Verkrustungen aufbrechen lässt und sich den Wohltaten des Auferstandenen öffnet.

Liebe Schwestern und Brüder, wir wollen immer vorher wissen, was hernach kommt. Wir wollen auferstehen, aber nicht sterben. Dass mich der Tod nicht tötet, werde ich erst erleben, wenn ich selbst gestorben bin. Damals ist den Frauen das Grab eröffnet worden. Das Osterlicht erleuchtet das Entsetzen der Frauen, so dass sie den geliebten Meister nicht mehr bei den Toten suchen müssen. Im Osterlicht keimt neue Hoffnung, in der wir den Tod nicht schauen, sondern die Ewigkeit.

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